Depression

Depressionen können jeden treffen

Die Depression zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, dennoch bleibt sie in vielen Fällen unerkannt und unbehandelt. Ein Arztbesuch erfolgt oftmals wegen körperlicher Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Herzbeschwerden, die zugrunde liegende seelische Belastung wird aber weder vom behandelnden Arzt noch vom Patienten selbst wahrgenommen. Zudem ist die Hemmschwelle sehr groß, sich bei psychischen Problemen einem Arzt anzuvertrauen. Mit stillem Zuwarten setzen sich die Betroffenen jedoch einem unnötigen Leidensdruck aus, denn die Erkrankung kann gut behandelt werden: Der Behandlungserfolg setzt umso schneller ein, je früher mit der Therapie begonnen wird.

Wie äußern sich Depressionen?

Charakteristisch für die früher auch als „Gemütskrankheit“ bezeichnete psychische Erkrankung sind eine über lange Zeit anhaltende gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, der Verlust des Selbstwertgefühls und negatives Denken. Depressive leiden häufig unter Angstgefühlen, Unruhe und der Unfähigkeit, sich zu entspannen – die Krankheit kann sich aber auch durch eine tiefe innere Leere und Gefühllosigkeit bemerkbar machen.Zur emotionalen Symptomatik gesellen sich vielfältige körperliche Beschwerden, die von Kopfschmerzen über Herz-Kreislauf-Beschwerden, Verdauungsstörungen und Rückenschmerzen bis hin zu Sehstörungen und einem Druckgefühl im Hals reichen können. Typisch sind auch Schlafstörungen, insbesondere das Einschlafen wird durch unaufhaltsames Grübeln erschwert. Tagsüber besteht große Müdigkeit, alle körperlichen und geistigen Betätigungen sind nur mit Anstrengung zu bewältigen. Durch Lustlosigkeit und sexuelle Funktionsstörungen wirkt sich die Erkrankung auch auf das Liebesleben aus.Im Gegensatz zur depressiven Verstimmung, bei der eine Phase der Trauer oder Erschöpfung unmittelbar auf eine belastende Lebensphase folgt, treten Depressionen häufig ohne fassbaren Auslöser auf. Dieser Umstand löst bei den Betroffenen Selbstzweifel und Schuldgefühle aus: Warum fühle ich mich schlecht, wenn in meinem Leben eigentlich alles in Ordnung ist? Auch das Umfeld reagiert häufig mit Unverständnis auf die scheinbar grundlose seelische und körperliche Leistungsschwäche. In Wirklichkeit sind an der Entstehung von Depressionen jedoch eine Vielzahl innerer und äußerer Faktoren beteiligt, die durch ihr Zusammenwirken ein Seelentief auslösen können.

Ursachen von Depressionen

Das Auftreten von Depressionen wird durch genetische Einflüsse begünstigt. Sind bereits nahe Familienangehörige betroffen, steigt durch diese erbliche Vorbelastung das eigene Erkrankungsrisiko an. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bei Depressionen das Gleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Hirnstoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten ist. Insbesondere ein Mangel an den „Glückshormonen“ Serotonin, Dopamin und Noradrenalin kann für Ängste und depressive Verstimmungen verantwortlich sein.

Hormonelle Störungen spielen auch bei Depressionen in den Wechseljahren oder nach der Geburt eines Kindes eine wesentliche Rolle.Frühkindliche Erfahrungen können ebenfalls zur Entstehung von Depressionen beitragen. Verliert ein Kind einen vertrauen Menschen oder fehlt es im Elternhaus an Liebe und Geborgenheit, entwickelt es häufig Ängste, fühlt sich wertlos oder wird von Selbstzweifeln geplagt. Überbehütete Kinder, die von allen Gefahren und negativen Einflüssen ferngehalten werden, können kein Selbstvertrauen entwickeln – ebenso belastend für die kindliche Entwicklung kann eine zu hohe Erwartungshaltung der Eltern sein.

Perfektionismus, Minderwertigkeitsgefühle, mangelndes Selbstbewusstsein und der Zwang, immer für andere da sein zu müssen, stellen im späteren Leben einen idealen Nährboden für Depressionen dar.Depressive weisen im Vergleich zu seelisch stabilen Menschen eine geringere psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) auf. Sie sind emotional verletzlicher und verfügen über weniger wirksame Bewältigungsstrategien, wenn sie in eine seelische Krise geraten. Derart vorbelastet, können chronischer Stress, psychisch belastende Lebensumstände oder ein akuter Einschnitt wie etwa der Verlust des Partners das Fass zum Überlaufen bringen. Schlussendlich entscheidet ein komplexes Zusammenspiel biologischer und psychosozialer Faktoren darüber, ob eine Lebenskrise problemlos bewältigt werden kann oder in einem lange andauernden Seelentief mündet. Sogenannte endogene Depressionen treten häufig unabhängig von klar erkennbaren Auslösern auf, sind im Grunde aber auf dieselben Ursachen zurückzuführen.

Wie werden Depressionen behandelt?

Depressive Verstimmungen und saisonal bedingte depressive Episoden (Winterdepression) können in vielen Fällen durch sportliche Aktivitäten, Entspannungsübungen, pflanzliche Heilmittel wie etwa Johanniskraut oder eine Lichttherapie positiv beeinflusst werden. Hält die gedrückte Stimmung über längere Zeit an, sollten sich Betroffene einem Arzt anvertrauen. Es gibt viele Wege aus dem Seelentief – je eher diese beschritten werden, desto schneller führen sie ans Ziel.

Medikamentöse Therapie

Zur Behandlung von Depressionen werden verschiedene Arten von Antidepressiva eingesetzt. Diese Arzneimittel greifen in den Gehirnstoffwechsel ein und bringen durch unterschiedliche Wirkmechanismen die Botenstoffe wieder ins Gleichgewicht. Am gebräuchlichsten sind die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), die sehr gezielt wirken und im Allgemeinen gut verträglich sind. In der Regel werden Antidepressiva über längere Zeit eingenommen, die vom Arzt vorgeschriebene Dosierung muss dabei streng eingehalten werden. Bessern sich die Beschwerden trotz der medikamentösen Therapie nicht oder treten Nebenwirkungen auf, sollte sich der Patient umgehend an seinen behandelnden Arzt wenden: Dieser kann die Dosis entsprechend anpassen oder ein anderes Mittel verschreiben. Antidepressiva machen nicht abhängig und bewirken keine Veränderung der Persönlichkeit, wie fälschlicherweise oft angenommen wird. Ein abruptes Absetzen der Medikamente kann allerdings unangenehme Nebenwirkungen wie Schlafstörungen oder innere Unruhe hervorrufen, zudem erhöht sich das Risiko eines Rückfalls. Aus diesem Grund sollten Antidepressiva am Ende der Therapie unter ärztlicher Kontrolle langsam ausgeschlichen werden.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie kann die medikamentöse Therapie begleiten, oder – in leichten Fällen – alleine zum Erfolg führen. Zur Behandlung von Depressionen wird häufig die Verhaltenstherapie eingesetzt: Dabei werden negative Denkmuster und Verhaltensweisen aufgespürt und in positive umgewandelt, was eine nachhaltige Änderung der Selbstwahrnehmung und des Handelns bewirkt. Die Tiefenpsychologie dagegen konzentriert sich auf die Aufarbeitung frühkindlicher Traumen: Ein verdrängter Konflikt wird dabei ins Bewusstsein gerufen und mit Hilfe des Therapeuten bewältigt. Welche Therapieform zur Anwendung kommt, ist von Art und Schwere der Depression abhängig. Maßgeblich für eine erfolgreiche Behandlung ist vor allem eine vertrauensvolle Beziehung zwischen dem Patienten und seinem Psychotherapeuten.

Selbsthilfe

Depressionen sind nicht Ausdruck einer charakterlichen Schwäche, sondern eine weit verbreitete Erkrankung, die sich durch Symptome wie Traurigkeit, Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit bemerkbar macht. Sie müssen sich nicht dafür schämen oder rechtfertigen! Ein offener Umgang mit der Krankheit kann viel zum besseren Verständnis beitragen: Auch Familienmitglieder, Freunde und Kollegen sind oft überfordert und wünschen sich klare Ansagen, ob und wie sie helfen können.Wer unter depressiven Phasen leidet, sollte sehr genau auf die Signale seines Körpers achten und seine individuelle Belastungsgrenze nicht überschreiten. Die Leistungsfähigkeit anderer spielt dabei keine Rolle – nicht jeder Mensch muss einen Marathonlauf in Rekordzeit zurücklegen können.

Versuchen Sie, Ihren Stresslevel zu senken, indem Sie in den Alltag regelmäßige Erholungsphasen einbauen und sich ausgleichende Hobbys suchen, die Ihnen guttun. Lassen Sie sich nicht zu viel aufbürden: Es ist völlig in Ordnung, „Nein“ zu sagen, wenn Sie eine Aufgabe nicht übernehmen können oder möchten.Gesunde Ernährung kann keine Wunder wirken, aber in Kombination mit anderen Maßnahmen die Heilung unterstützen. Frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Nüsse liefern wichtige Vitamine, pflanzliche Öle und Fisch sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die sich positiv auf Stimmungsschwankungen auswirken können.

Alkohol ist als Seelentröster ungeeignet und kann langfristig in die Abhängigkeit führen. Sonnenlicht kurbelt dagegen die Serotoninproduktion auf natürliche Weise an: Der tägliche Spaziergang an der frischen Luft hebt die Stimmung und fördert erholsamen Schlaf.Sehr hilfreich kann der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe sein. Selbstbestätigung, Gemeinschaftsgefühl und eine bessere Wahrnehmung des eigenen Körpers können Sie in einer Tanz-, Kunst- oder Bewegungstherapie erfahren. Eine Schreibtherapie fördert die Kreativität und hilft, Blockaden zu lösen. Die Depression beeinflusst Ihr Leben auf vielfältige Weise: Sehen Sie nicht nur das Negative, sondern auch die Chancen, die sich Ihnen dadurch bieten!